Olympische Jugendlager besitzen eine lange Tradition. Anlässlich vieler Olympischer Spiele richteten die jeweiligen Organisationskomitees auch internationale Treffen für die Jugend der Welt aus. Deutsche Nachwuchssportler und -innen waren immer zahlreich vertreten und repräsentierten im Auftrag der deutschen Sportorganisationen unser Land.
Deutsche Olympische Jugendlager seit 2002
In Folge einer ständigen Reduzierung der Teilnehmerzahlen sowie der Tatsache, dass Salt Lake City 2002 keine Einladung zu einem Jugendlager aussprach, organisierte das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) zusammen mit der Deutschen Sportjugend (dsj) seit dieser Zeit eigene nationale Olympiaaufenthalte für Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportler.
Die Erfahrungen‚ die damit in Salt Lake, Athen und Turin gemacht werden konnten, waren so positiv, dass der 2006 gegründete Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nicht zögerte, diese Tradition fortzuführen und auch für Vancouver wieder ein Olympisches Jugendlager anzubieten.
Mit der Organisation und Durchführung des Projektes in Kanada wurde die DOA betraut, die sich zukünftig in der Federführung nach einem Grundsatzbeschluss des DOSB jeweils zu Olympischen Sommer- und Winterspielen mit der dsj abwechselt.
Ausgeklügeltes Auswahlverfahren
Mit Unterstützung der Wintersportfachverbände wurden geeignete Jugendliche gefunden, die den gemeinsam vereinbarten Auswahlkriterien entsprachen. Ergänzt wurde die so rekrutierte Gruppe durch einige Vertreter aus den Sommersportarten, besonders engagierte Jugendliche aus dem Bereich der Jugendsportorganisationen sowie sechs zum Eliteschüler des Jahres nominierte Schülerinnen und Schüler.
Leistungssportliche Aspekte spielten bei der Auswahl dabei naturgemäß eine herausragende Rolle. Aber auch andere Eigenschaften, wie soziales Engagement, musische Talente oder gute schulische Leistungen fanden bei der Beurteilung angemessene Berücksichtigung.
Erfolgreiches Vorbereitungstreffen macht Lust auf mehr
Die Tragfähigkeit des gewählten Verfahrens zeigte sich bereits beim Vorbereitungstreffen im November 2009 in München, während dessen die "Auserwählten" inhaltlich und atmosphärisch auf die Zeit in Vancouver eingestimmt wurden. Alle Mitwirkenden beteiligten sich mit großem Engagement an den Workshops und Diskussionsrunden zu olympischen Themen und stellten zudem vielfältige Fähigkeiten unter Beweis, wenn es während Rollenspiel und Kreativphasen einmal nicht um motorische Fähig- und Fertigkeiten, sondern um andere Talente ging. Problemlos gliederten sich auch die Sommersportler ein, die auf der Grundlage einer alternierenden Beteiligungskonzeption die Möglichkeit erhalten, Olympische Spiele in ihrer "Winterausgabe" zu erleben. Weitere Informationen zum Vorbereitungstreffen können der zugehörigen Pressemitteilung entnommen werden.
Kurze Wege von der Unterkunft zu den Schneewettbewerben
Insgesamt 46 Jugendliche werden sich mit ihren neun Betreuerinnen und Betreuern vom 11. - 27. Februar 2010 während der Winterspiele in Kanada aufhalten. Untergebracht sind sie in der Copperdome Lodge in Pemberton, einem kleinen Ort, der ca. 30 km nördlich von Whistler entfernt liegt – dem Wintersportzentrum, in dem die Schneewettbewerbe und damit der überwiegende Teil der Olympiaentscheidungen ausgetragen werden. Damit bietet der gewählte Standort beste Voraussetzungen, an vielen olympischen Ereignissen teilzunehmen. Die Programmgestaltung (siehe Kalender) berücksichtigt den Besuch von bis zu sieben olympischen Wettbewerben neben verschiedenen Aufenthalten in den Deutschen Häusern und der Möglichkeit, das Olympische Dorf zu besichtigen.
Kanada erleben
Natürlich sollen die Tage in Kanada auch genutzt werden, die dortige Lebensart kennen zu lernen sowie kulturhistorische Stätten und kulturell interessante Veranstaltungen zu besuchen. Geplant ist in diesem Zusammenhang auch ein Treffen mit den First Natives, auch First Nations genannt – also den kanadischen Ureinwohnern.
Skifahren mit Rosi Mittermaier-Neureuther und Audienz beim "Sportminister"
Fehlen darf bei einem Olympischen Jugendlager aber ebenso wenig die eigene Sportpraxis. Den Höhepunkt der sportlichen Aktivitäten stellt dabei ohne Zweifel ein gemeinsamer Skitag mit der „Ski-Legende“ Rosi Mittermaier-Neureuther dar, die es sich als „Chef de Mission“ des Jugendlagers nicht nehmen lassen wird, die diesbezüglichen Fähigkeiten unseres leistungssportlichen Nachwuchses in Augenschein zu nehmen. Überhaupt ist „Rosi“, die bereits in Turin als Delegationsleiterin das Jugendlager begleitete, ein großer Glücksfall für das Jugendlager. In Turin stand sie den Teilnehmern/innen fast ununterbrochen zur Seite, öffnete manche Tür, stellte den Kontakt zu Medien und Prominenten her und zog z. B. das gemeinsame Verfolgen der Eröffnungsfeier am TV einer Einladung des IOC-Präsidenten ins Olympiastadion vor.
Als weiteres Highlight ist ein Zusammentreffen mit dem Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière, dem Schirmherrn des Olympischen Jugendlagers, geplant.
Die Organisatoren haben hohe Ziele
Mit dem Olympischen Jugendlager verfolgen DOA und dsj vornehmlich das Ziel, über das unmittelbare Erleben „olympischer Atmosphäre“ die leistungssportliche Motivation der jungen Athletinnen und Athleten zu festigen. Doch nicht allein in leistungssportliche Aktivitäten könnten die bei Olympia gemachten Erfahrungen münden. Vereins- oder Verbandsarbeit, das Trainieren und Betreuen im Nachwuchsbereich, ein Engagement in Sportpolitik oder -publizistik sind ebenfalls Tätigkeitsfelder‚ die als lohnende Beschäftigung erfahren und vermittelt werden können.
Nicht zu vergessen sind pädagogische Intentionen, deren Umsetzung während des Aufenthalts in Vancouver ebenfalls einen Teil des Zielkomplexes darstellt. Soziale Kompetenz wird im täglichen Miteinander innerhalb der Gruppe gefordert und gefördert, musische und organisatorische Talente werden während Vorbereitung und Durchführung des Gemeinschaftsabends gefragt sein und internationale Verständigung im Zusammentreffen mit kanadischen Jugendlichen und Olympia-Touristen aus aller Welt gelebt.
Im Zusammenhang mit diesen pädagogischen Intentionen sollte man das Olympische Jugendlager auch nicht als singuläres Ereignis sehen. Ganz im Gegenteil reiht es sich in vielfältige Maßnahmen und Projekte der DOA im Rahmen der olympischen Erziehung ein. Unterrichtsmaterialien für Schulen, LehrerfortbiIdungen ‚ sportwissenschaftliche Olympiaseminare und Symposien, Aufsatz-, Kunst- und Wissenschaftswettbewerbe sind nur einige der Aktivitäten auf diesem Gebiet.
Nachhaltigkeit wurde erreicht und wird nach wie vor angestrebt
Erziehung besitzt immer Prozesscharakter. Feststellbare Verhaltensänderungen können nicht innerhalb von zwei Wochen realisiert werden. Dennoch konnten wissenschaftlich abgesicherte Nachbefragungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Jugendlager belegen, dass positive Impulse im Sinne der Veranstaltungsziele durchaus gesetzt werden können.
Und so wünschen sich die Organisatoren für die teilnehmenden Nachwuchssportlerinnen und -sportler des aktuellen Jugendlagers, dass sie neben der Freude und Ausgelassenheit während der Tage in Kanada auch Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause nehmen können, die sie in ihrem weiteren Lebensweg positiv beeinflussen und ihnen eine dauerhafte Freude am Sporttreiben vermitteln.



